Ralu-Ilinca - Literarische Seite
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Ralu-Ilinca - Meine Geschichte

Autoporträt Alter Ego - Ralu-Ilinca

...begann in Rumänien. In einer großen Industriestadt der Provinz. Wo aus der Erde unerwartet hier und da auf einmal schwarzes Gold entspringt, wo der Wind nach Erdöl und Gas so unverwechselbar riecht. 

Damals wehte in diesem Land ein Wind der Armut und Entbehrung, der Mangel an elementaren Lebensmitteln, der Tyrannei. Ein kalter Ostwind der Unterdrückung, des überwachten Wortes, ein Wind der allgegenwärtigen Stille und Auslieferung. Denn wir waren unserem Schicksal ausgeliefert. Für uns gab es unüberwindbare und vor allem unüberquerbare Grenzen und Gittern. Für uns gab es kalte Tage und Nächte ohne Wasser und Strom, lange Schlangen die in der Morgendämmerung anfingen und am späten Abend mit einer Tüte Hühnerfüße oder keiner Tüte Hühnerfüsse endete. Für uns gab es keine Europa. 

Es gab doch ein Traum von Freiheit und Frieden.

Den hatten wir als Kinder auch geträumt, während unsere Eltern ihren Teller vorsichtig räumten, damit wir mehr zu essen hatten. Während unsere Großeltern in den langen Schlangen erstarrt in Winter froren um einen Stück Fleisch für uns an späten Stunden zu ergattern. Während die Bananen in ihren Herkunftländern ihren Glanz und ihre aromatische Reife in der Sonne bekamen und für immer fern von unseren Augen bleiben zu wollen schienen...

Ja, das waren die Jahre meiner Kindheit und meiner Generation. Das waren wir und wir blieben für immer von diesen Zeiten geprägt, denn die Erinnerung funkelt immer schwächer aber die Angst und eine gewisse leicht paranoische Empfindlichkeit lauern aus unseren Tiefen wie die gläsernen Augen der Raubtiere in dunklen vergessenen Wäldern.

Irgendwann kam die blutige Revolution, die "gestohlene" Revolution, die Revolution der verpfuschten Träume und ein neuer Zustand von Rebellion nahm uns alle in seinen Bann...Weil wir zwar auf einmal frei waren - wir konnten sagen, singen, schreien alles was wir wollten - aber auch allein gelassen mit übergroßen Begriffen wie Demokratie...denn wir störten mit unseren Gedanken niemanden und auch niemand hörte uns mehr.

Gedichte hatte ich schon als kleines Kind geschrieben, nur in dieser Zeit, unmittelbar nach der Revolution, wurden meine Worte wütend und enttäuscht und der Ton hatte sich auf einmal in einen sanften Schrei gewandelt: ein Schrei, weil die Worte so ungezähmt und irgendwie aggresiv ans Licht treten wollten und trotzdem sanft, weil die Worte traurig, vorzeitig reif und ermüdet waren.

 

Beruf: Biostatistiker, Mathematiker, Denker und Mitfühler

Nationalität: Europäisch

Residenz: Mein Herz

Ich mag: Zuverläßigkeit. Ehrliche Menschen, einfache Menschen. Wahre Freunde. Bescheidenheit und Demut. Herzlichkeit, Gastfreundschaft. Musik. Mathematik. Liebe. Die heißen Sommernächte meiner Heimat. Die romantischen Weinberge aus der Nähe meiner Stadt. Wein. Rot. Bach. Das Meer. Die Fische im Meer. ...Sonnenblumen und Gladiolen.

Ich mag nicht: Oberflächichkeit, Habgier, Spinnen. Vorurteile. Kommunikationskurzschlüsse. Mutlosigkeit. Komfortzoneabhängigkeit. Individualismus. Ellenbogen. Rosenkohl und Marzipan. Facebook Belanglosigkeit.

Draufgänger. Autobahndrängler. Cool sein. Gruppenzwang. Gewalt. Die Eisheiligen, die zu Dauerheiligen werden...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentare

  • Yasser (Mittwoch, 12. März 2014 12:53)

    Zug meines Lebens

    Als ich geboren bin, bin ich in den Zug eingestiegen. Dort habe ich meine Eltern getroffen,
    sie haben mir versprochen daß sie mich während meiner ganzen Reise begleiten werden.
    Allerdings ist ein Mädchen eingestiegen, uns hat Liebe gebunden. was könnte sonst sein? ich kenne in meinem Wagon nur Liebe
    und Zuneigung, die ich von meinen Eltern bekommen habe. Das Mädchen war wie eine Blume, sie war wunderbar ehrlich gesagt hätte ich gewünscht,
    daß sie auch meine ganze Reise begleitet, leider vielleicht hat sie die Reise als kleinen Spaziergang betrachtet ?!
    ich kann nur vermuten, da sie mir von Mathematik und Statistik viel erzählt hat...
    vielleicht war ihr die Reise in meinem Wagon langweilig.. vielleicht ...
    Es ist Schade, sie hat sich in einen anderen Wagon gesetzt, das erstaunt mich, sie hat Sehnsucht, Schmerz, Traurigkeit hintergelassen.
    Erstaunlich ist? ich durfte mithelfen, ihr Gepäck beim Aussteigen zu tragen, was mich glücklich machte... ich konnte nur schauen und ihre Schritte verfolgen
    Meine Auge leider haben nur kleine Reichweite ich sehe sie nich... ich sehe nur den leeren Sitz, den sie zurückgelassen hat ...
    Da ich eilig war, und das war einen grossen Fehler, habe ich ihren Sitz anderem Mädchen angeboten...
    Kommich ist? manche Leute steigen ein und wierder aus und ich habe sie kaum bemerkt...
    Ich habe mich darüber gefreut, dass der Sitz wieder leer ist... ich erinnere mich daran, wie ich mit dem unterhalten habe...
    Der Sitz hat Verständnis und erzählte mir über alle Abschnitten der Strecke, wie wir schwankten.. uns freuen, uns streiten :)
    Die Trennung von der Blume war Schmerzhaft...
    Aber was heisst Trennung? ich sehe sie öfter, nicht sie aber ihre Gestik ... wie denn? meine Töchter haben
    die selben Körpersprache... Jetzt weiss ich warum hat sie sich wie ein Kind verhält, weil die Kinder nur Liebe kennen ...
    Ich wünschen mir, ihr , meinen Eltern, meinen Töchtern eine gute Reise und wenn wir aussteigen, lassen wir alle einen leeren Sitz,
    der schöne Erinnerungen bei den Weiterreisenden hinterlässt.

  • Filipescu (Montag, 16. Januar 2017 23:50)

    Wunderschön! :)

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