Ralu-Ilinca - Literarische Seite
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Die Rückkehr der Lorelai

Lorelai kommt zurück

 

es ist kühl und es dunkelt

und ruhig fliesst der Rhein

und auf demselben Gipfel wie immer

sitzt Lorelai und weint

 

Ihre Geschichte hat kein Ende

Betrogen im heiligen Schein

von der Matrose mit zitternden Händen

wenn alles schien episch zu sein

 

Sie kämmt Ihre Haare mit Schlingen

Gedanken springen raus und darein

Sie glaubt nicht mehr an den Schmetterlingen

die Wege führen stets in den Nein

 

sie zornt über Meere und Ufern 

sie  treibet die Wellen im Hang

die Winde verwirbelt sie sturrer 

und öffnet verschlossene Tueren

dem neuen inneren

Sturm und Drang. 

 

Januar 2017

 

 

 

Die Liebe ist ein unbändiger Fluß

 

und wir sitzen hier

in diesem Jetzt

ohne weitere Pläne.

 

die Träume wurden geträumt

die Flügel wurden gebraucht

das Klavier spuckt die letzte Sonate

mit Blut

         

Dein Auge friert meine halben Worte

noch in der Luft

da wo die Hände versuchen

sich noch an Fetzen von Himmel zu halten

 

Doch der Himmel ist längst voller

kranker Zellen.

 

und wir sitzen hier

in diesem Nichts

ohne weiteren Uns. 

         

Die Liebe ist ein unbändiger Fluß.

 

Januar, 2017.



 

Sklaverei, sklaverei

 

das Leben im kochenden Ei

denkt Lorelai

während sie spült

das Geschirr aufgestapelt bis zur Decke

Plumpe Gesichter in Eisen gebeizt

Schauen hinab

aus Arbeitszeitschriften

Schatten ohne Zeit und Gestalt

durch das gepflegte Aquarium

in dunklen Mercedes düsend

Ihre Ich's mit goldenen Fussketten

blicken aus verstaubten Trophäen

fest überzeugt von alpha plus beta

hoch epsilon, der die Welt, ihre Welt

retten wird

 

Sklaverei, sklaverei,

schreien Salmonellen im kochenden Ei

Im Friedhof stehen die Kreuze so spitz

denkt Lorelai in dem Haushaltshospitz

und sonst gibt es...

sonst gibt es

Nichts.

 

Januar 2017

 

 

 

Die Tyrannei der Dinge

 

ist die Litanei des modernen Menschen,

Der virtual vielmehr als vertikal geht

Dinge, Dinge, Dinge

fallen vom Himmel herab

in den gierigen Seelenkorb mit Implantaten

aus Träumen, Traumas, Pillencocktails,

Dinge, Dinge, Dinge

bunt, duftend, unendlich

mit zierlichen Haenden ueber fettigen Tastaturen 

nach unseren Seelen ergreifend

Dinge als Träume,

Dinge als Pillencocktails,

Dinge als Abwesenheitsassisstenten

Denn wir sind gerade auf Dienstreise

ohne Zugang zu uns selbst.

Ein Spüler für die Wunde

Ein Trockner für die Tränen

Ein Ring für den Identitätsverlust

Eine Lampe für die innere Beleuchtung.

 

Eine Rose, duftend, unendlich, bunt.

Für Dich. 

 

 

Willst Du, dass ich Dir sage

 

 

wer Du bist?

Eine Zelle in diesem kollektiven Gesang

in der ich freiwillig gefangen bin,

genauso freiwillig wie meine Krankenversicherung

für besser Bezahlte,

und genauso verdient.

 

Ein Schmerz für den ich mich zuerst

qualifizieren müsste

 

und so habe ich erst Kompetenzzertifikate 

in verschiedenen Schmerzfächern geholt

 

In dem süssen dunklen Schmerz meiner Grenzen

während zahlloser Abgrundnächte voller Duft,

Verschmelzung und Unsterblichkeit

 

In dem bitteren erlösenden Schmerz des Heimatlosen

der endlich seine Geschichte selbst schreiben könnte hätte er

seine Sprache nicht vergessen

 

In dem strengen zittrigen Schmerz der leeren Tasche

Mit ihrem kristallinen Klang von Kleinmünzen

wie einem Song ängstlicher Vögel...

 

Ein Stern bist Du, in der pechschwarzen Nacht

glatt, hell und fern

an einer Ecke meines Universums runterhängend

unmontiert, schief, mit skandinavischer

Sparsamkeit

über meine schlaflose Schwarznacht gebeugt.

 

Das alles und noch viel mehr

bist Du.

Nicht.

 

Februar 2017

 

 

 

 

Kontakt

Hier finden Sie mich

ilincadort@hotmail.com

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