Ralu-Ilinca - Literarische Seite
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Heute schneit es wieder mit riesen Flocken

 

...heute schneit es wieder mit riesen Flocken. Weiss, spielerisch, und riesig, wie das breite Lächeln der Kinder sind diese Flocken, die vor meinen Augen ein Lied singen. Von der Ruhe, die einkehrt, von der Liebe, die ungezwungen, wild, fantastisch an dem Fenster weht. 

Bach ertönt aus Kopfhörern und nimmt meine Seele auf den Klang der weissen Flockensymphonie mit, nein, ich möchte nicht schlafen. ich werde von dem rythmischen Bild der Eisfraktalen nichts verpassen, aus dem Himmel herab stürzt ein magischer Fluss von Gedanken, mal langsam, mal verrückt, als würde die Partitur von einem wahnsinnigen Spieler in den Wolken interpretiert, und in ausschweifenden Gefühlsorkanen hinuntergeschickt werden.

...heute schneit es wieder nach wie lange? wie lange seitdem nicht mehr geträumt wurde? seitdem alles weiss, unberührt, atemberaubend schön und still war? es schneit mit Deinen Flügeln über mich, mit Deinem vertrauten Atem über meine Haut streichelnd...es schneit stark in mein Wesen hinein, da wo der Boden zart und zittrig wie eine Gitarrensaite ist.

Schnee, Sturm, weisse Flockenmelodie, sag mir was für einen Tag ist heute, auf welchem Planeten und in welcher Konstellation, denn meine Knochen schmerzen von der Welt, meine Fingern irren durch unwichtige Konversationen und Dingen, meine Seele sehnt sich nach dem Wesentlichen, nach dem ursprünglichen Code, der Sinn gemacht haben musste. Schneewittchen, räume mit der Geschichte des weissen Kleides auf, denn es gibt die unvergesslichen drei Tröpfe Blut in jedem vernünftigen Schnee, in jedem Schnee, der einem den Verstand raubt...dieser unvergessliche Schnee, den man nicht in Bällen Wörtern Gefühlen fassen kann, der keine Gesetze der endlichen Mengen kennt, der unaufhaltsam, unvernünftig, leicht kommt und sich in das Herz für immer einprägt. 

Es schneite, vor wievielen Jahren? und zwei Eskimos spazierten am Fluss, oder war es nur ein Bach? es war eine Sekunde in einer Weltstadt, Strassenlaternen warfen ihre komplizen Lichtern über sie,  während sie sich voller Hingabe küssten, unter dicken Kapuzen umschlungen. Ich sah nur Deine glückliche Stille in der Wärme Deiner Hand. Es schneite und wir lachten, denn unsere Herzen lachten, denn wir waren frei wie die kreisenden Flocken und von der Welt genauso getrennt in unserem Tanz über die Dinge, über den Augenblick, über die Unmöglichkeiten, über die Un-Zukunft und Un-Vergangenheit. 

Heute schneit es wie damals, und ich akzeptiere die Aufforderung zu diesem Tanz. Weiss, regellos, sich selbst und frei auf diesem Herzblatt schreibend. Weiss, spielerisch, und riesig wie das breite Lächeln der Kinder. In magischen brownianischen Klängen, die scheinbar nichts mit dieser Welt zu tun haben. 

 

 

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