Aus Gedichtsband in Vorbereitung

Ipostaze - Ralu-Ilinca

Moderner Albtraum

 

Bist gefangen in einem Netz,

Dem freudigen, habgierigen, durchsichtigen, sozialen

Netz

Draussen tanzen die Jahreszeiten, die schönen

Lüsternden in Seiden gekleideten Erlen

Während du drinnen in einer

Plastiktüte deine eigenen aufblasbaren

Götterspeise-artigen

Jahreszeiten gebastelt hast

So kreativ

So methodisch hast du

Versucht den Erlen deine flammend roten Gelatinestilettos

Zu verkaufen

Und zugleich so vergebens

Denn die in Seiden verschleierten lüsternden

Jahreszeiten tanzen seit eh und je barfuss...

 

 

 

Ein anderes Schneeglöckchen Weissröckchen

Es ist dunkel in dem Kristallball
Die künstlichen Schneeflocken
Haben Runzeln
die Mondsichel liegt verblast
in der Ecke
Man sagt die Pole würden bald
tauschen
Das Telefonieren würde bald so billig sein
Dass wir uns vor lauter verbindungsmöglichkeiten nicht mehr
erreichen werden...
Der vom Aussterben bedrohten Tiger wird zum Helden der
Abwesenheit
Gelobt werde sie
Die Abwesenheit der Schneeflocken,
Der Mondsichel

In dem immer dunkler werdenden Kristallball.



 

 

Erkenntnis

 

Eine Illusion

Diese Hände, die sich gehalten haben

Diese Körper, die sich vereinigt haben

Diese Worte, die sich in Luft aufgelöst haben...

Diese Gefühle, die sich in Resignation umwandelten...

Das alles kann man nicht festhalten

Es gibt keinen Speicherplatz

Für deinen Geruch nach Sex

Für deinen Atem, der sich mit meinem gekreuzt hat

Keinen USB stick, keine Blueray

Keine Digitalkamera,

Kein Ticket zur Ewigkeit

Für diesen Schnappschuss,

In dem du so schön schläfst und ich warte,

Dass du dich drehst.

In diesem Vorraum zu Nichts

Gibt es nur eine Illusion

Von Händen, Körpern, Worten, Gefühlen...

Von uns.

 

 

 

Wuppertal

 

Ich liebe dich

Und diesen Wein

Diese Stadt mit seinen schwebenden Geschichten

Und lauten Assis

In der gemeckert, geschimpft, demonstriert,

rationalisiert, fürsorglich beraten und

Gespendet wird

Umgebaut, abgebaut, undercover,

Wie eine coquette Dame aus alten Zeiten

Die sich mit Heissschokolade

Bekleckert

Und ein Penner der den Jackpot über die Nacht

geknackt hat.

Ein Fluss und ein Tal

Gegen Unendlich gestreckt

Multidimensional, chaotisch und

Doch so übersichtlich

Dieser Wein den ich liebe,

Und mitunter dich.

 

 

Angst

 

Angst vor dem Frühling

Vor rot

Vor meinem violetten Schal

Vor der Stille zwischen uns

Vor der Stille

Vor der Stadt im Stillstand

Vor meinem violetten Schritt

Der sich heute entfernt

Vor der Luft zwischen unseren Händen

Vor dem flammenden Rot der Pferde

Der sich paarend in den Frühling tanzenden

Pferde

Vor meinem violetten Wort

Dem letzten Wort

Vor der Stille.

 

 

 

Leben unser.

 

Unser Leben ist hoch

Und wir zu klein um einen Blick rüber zu werfen

Unser Leben ist voll

Von der Leere in uns, von der Leere zwischen uns

Von blassen körperlosen Sekunden

Die aus unseren Taschen ständig

Bedeutungslos runterfallen

Unser Leben ist lang

Gegeben unsere Unzulänglichkeit

Unser Leben ist hier

Doch wir sind dort

Verstrandet

In Papier-, Worte-, Gefühlstapeln,
In gestern und morgen
In Managementzeitschriften

Und Chefsesseln

Während der Sand aus unseren Knochen läuft

Und mit ihm es auch.

Leben unser.

 

 

Es ist der Nebel...
 

Ich bin ein Ferrari, doch Du fährst mich

Durch Verkehrsberuhigtezonen,
Du siehst mich nicht, doch ich rede mir ein
Es wäre wegen dem Nebel
Nebel und Herbst und Engelasche
Vom Himmel über uns nieselnd...
Du sprichst nicht mit mir, doch ich rede mir ein
Es wäre sowieso zu laut zum Verständigen
wegen Menschen, und Träumen,
und Ellbogen und überhaupt...
Du steckst einen Dolch in mich ein, doch ich behaupte
Der Schmerz sei schon längst da gewesen.
Es ist Nebel und Engelasche
Die zwischen uns fallen
Es ist die letzte Liebesstunde, die zwischen uns
Ihren Grab sorgfältig schaufelt.

 

 

Schnee

 

Schnee, weiß, schneeweiß, weißes Lied

Schläft über den Feldern.
Ich schlafe in Deinen Armen
Und in mir fließt weiß
Und warm dein Blut
Während wir das weiße Lied
Über den Feldern hören
Frei und unbeschwert
Fliegend
Über den Feldern
Singt der Schnee

In weißen ruhigen Flocken
Ein Lied von der Freiheit.


 

 

 

Heute schneit es...


Heute schneit es mit großen Flocken
Über mein erdrosseltes Wort
Über mein verfetztes Kleid
Voller Flecken von gestern
Über meinen Schrei schneit es
Höflich und ausgewogen
Voller zuversicht lächelnd
Mit überdimensionalen Flocken
Papierschiffe fallen vom Himmel
Auf diesen Meeresabgrund herab...

Wo ich liege und warte
Dass mich jemand hört
Dass mich jemand endlich hört...

 


Es wurde alles gesagt. 
 

Wir sagen nichts
Die Worte spielen heute keine Rolle
Wir blicken uns analytisch
Und klicken die Macken systematisch in den Abfallkorb
Wir zählen und sammeln sie sorgfältig
Für den ultimativen Wegklick
Daran zu arbeiten lohnt sich nicht
Denn es gibt einen App für alles
Wir sagen nichts

Wir treffen nur entscheidungen
Zielorientiert und faszinierend kaltblütig
Ich klicke dich weg
Du klickst mich weg
Und so klincken wir uns insgesamt
Unspektakulär aus dem leben des anderen
aus...
Denn die worte spielen heute keine Rolle
Und wir haben nichts mehr zu sagen
Was nicht schon vorher gesagt wurde.

 


Der letzte Tropf

Es stimmt, das Leben ist eine Einwegflasche
Irgendwann wird es alle sein.
Der letzte Tropf auf die Promenade weggeschüttet
Wo die Hunde zu späten Stunden pinkeln
und an nichts denken
Denn das Denken ist eine mehrspurige Autobahn
Manche drängeln, manche ausweichen,
Manche rasen unter LKWs, manche stehen ewig im Stau...

Wo alles schnell und hundertfach passiert
Während Du schläfst und nichts mehr fühlst.
Denn das Gefühl ist ein Hochhaus
Das Du ganz allein erklimmen musst
Trotz Deiner vorprogrammierten Höhenangst
Navigationssysteme und selbst Trinkflasche
Helfen nicht.

Dort ruht der Himmel in Dich
Während Du über mehrspurige Autobahnen,
pinkelnde Hunde und Einwegflaschen
so schön von oben hinwegsiehst.

               Ralu-Ilinca, Wuppertal, 2010-2014

 

Die Liebe ist ein unbändiger Fluß

 

und wir sitzen hier
in diesem Jetzt
ohne weitere Pläne.


die Träume wurden geträumt
die Flügel wurden gebraucht
das Klavier spuckt die letzte Sonate
mit Blut

         

Dein Auge friert meine halben Worte
noch in der Luft
da wo die Hände versuchen
sich noch an Fetzen von Himmel zu halten


Doch der Himmel ist längst voller
kranker Zellen.

 

und wir sitzen hier
in diesem Nichts

ohne weiteren Uns. 
 

Die Liebe ist ein unbändiger Fluß.

Duesseldorf, Januar, 2017.



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